Falschgeldkriminalität 2010 in Deutschland

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Polizeilich wurden in Deutschland im Jahr 2010 rund 39.000 Falschgelddelikte (2009: ca. 42.000) registriert. In der Masse handelte es sich dabei um Straftaten der Verbreitung und Herstellung von Euro-Falschgeld. Der Schwerpunkt lag dabei auf Banknoten, in nur etwa 3% der Fälle wurden Münzen hergestellt bzw. verbreitet.

Insgesamt wurden in Deutschland im Jahr 2010 durch polizeiliche Maßnahmen und durch Feststellungen von Handel, Banken und Gewerbe 90.824 falsche Euro-Banknoten angehalten, was einem Anstieg von 22% im Vergleich zum Vorjahr (74.414 Euro-Falschnoten) entspricht.

Erkennbar ist eine Tendenz zur Fälschung mittlerer Nennwerte. Die 50-Euro-Banknote wurde mit einem Anteil von ca. 60% der in Deutschland insgesamt registrierten Euro-Falschnoten am häufigsten gefälscht; im Vergleich zum Vorjahr (44%) ein deutlicher Anstieg.

Qualität der Euro-Falschnoten

Über 90% der im Zahlungsverkehr angehaltenen Euro-Fälschungen wurden – wie schon in den Vorjahren – bei Banken, im Handel und Gewerbe sowie bei der Deutschen Bundesbank und deren Filialen erkannt.

Dieser Umstand ist als Beleg für die hohe Qualität der Fälschungen zu werten.
Weiterhin werden von den Tätern geeignete Reproduktionen von Sicherheitsmerkmalen wie Wasserzeichen, Hologramm und Mikroschrift in hoher Qualität hergestellt. Bislang wurde jedoch keine Banknotenfälschung registriert, bei der alle Sicherheitsmerkmale gleichermaßen täuschend echt nachgeahmt waren.

Herkunft der in Deutschland angehaltenen Euro-Falschnoten

Als Produktionsstaaten und Herkunftsländer der Euro-Fälschungen spielen nach wie vor Italien und Bulgarien eine herausragende Rolle. Zwar konnten in den vergangenen fünf Jahren durch erfolgreiche Ermittlungen der Länderpolizeien, des Bundeskriminalamtes und der europäischen Strafverfolgungsbehörden in diesen Ländern eine Reihe von Geldfälscherwerkstätten ausgehoben werden, derartige Erfolge entfalten jedoch in der Regel nur eine befristete Wirkung. So zeichnete sich nach der Aushebung einer Falschgelddruckerei in Italien im August 2010 in den Folgemonaten ein Rückgang der Falschgeldfeststellungen ab, mittlerweile sind jedoch vermehrt andere 50-Euro-Fälschungen aus weiteren Produktionsstätten feststellbar.

Euro-Falschmünzen
Im Vergleich zum Vorjahr war das Aufkommen falscher Euro-Münzen in Deutschland leicht rückläufig. Im Jahr 2010 wurden in Deutschland 67.407 falsche Euro-Münzen (2009: 78.729) registriert, rund 14 % weniger als im Vorjahr. Bei rund 81 % (2009: 81 %) der Falsifikate handelte es sich um 2-Euro-Falschmünzen. Der Nennwert des Falschmünzenaufkommens belief sich auf rund 120.000 Euro.

Tatverdächtige/Beschuldigte
Im Jahr 2010 wurden in Deutschland 1.671 Tatverdächtige im Zusammenhang mit Falschgelddelikten ermittelt (2009: 1.663), 40 % davon waren deutsche Staatsangehörige. Unter den nichtdeutschen Tatverdächtigen bildeten türkische Staatsangehörige mit ca. 10 % den größten Anteil, gefolgt von italienischen, rumänischen und litauischen Staatsangehörigen.
Das im Zusammenhang mit der Herstellung und Verbreitung von Falschgeld festgestellte arbeitsteilige und konspirative Täterverhalten sowie die vorhandene Täterlogistik deuten darauf hin, dass Falschgeldkriminalität von Tätergruppierungen begangen wird, die der Organisierten Kriminalität zuzuordnen sind.

Euro-Falschnotenaufkommen in Europa
Im Jahr 2010 wurden bei der Europäischen Zentralbank 872.535 falsche Euro-Banknoten im Nennwert von ca. 51 Mio. Euro registriert. Im Vergleich zum Jahr 2009 (1.018.361) sank das Gesamtaufkommen falscher Euro-Banknoten in den EU-Mitgliedstaaten im Jahr 2010 um 14 %. Mit einem Anteil von ca. 11 % am europäischen Falschnoten-Gesamtaufkommen liegt Deutschland im europäischen Vergleich an vierter Stelle

BKA-Präsident Jörg Ziercke:
„Der mit rund 6,7 Millionen Euro zu beziffernde Wert der registrierten Euro-Falschnoten ist im Jahr 2010 gegenüber 2009 um rund 20 % gestiegen, im Vergleich zum Umfang des in Deutschland im Umlauf befindlichen Bargelds jedoch nach wie vor gering. Die Falschgeldkriminalität verursacht insoweit keine signifikanten finanziellen Schäden. Sie kann allerdings zur Verunsicherung der Öffentlichkeit beitragen und das Vertrauen der Bürgerinnen und Bürger in die Sicherheit des Bargeldverkehrs beeinträchtigen.
Aufgrund seiner Stabilität und zunehmenden Funktion als „Weltwährung“ sowie wegen des erweiterten Verbreitungsgebiets wird der Euro für Fälscher auch zukünftig attraktiv bleiben. Gegenwärtig liegen allerdings keine Anhaltspunkte vor, die eine signifikante Änderung des Euro-Falschgeldaufkommens in Deutschland erwarten lassen.
Ein wichtiger Faktor für die Eindämmung der Falschgeldkriminalität ist weiterhin die enge internationale Zusammenarbeit, insbesondere mit den Hersteller- und Verteilerstaaten, unter Einbindung von Europol sowie des Sicherheitsdruckgewerbes.“